Besonders Wissenswertes über Ruth Weiss  

Als Kind in Deutschland erlebte sie durch die Judenverfolgung – und später in Südafrika durch die Apartheid – Ungerechtigkeit und Hass. Deshalb leistet sie heute als Zeitzeugin durch Lesungen und Vorträge, insbesondere an Schulen, unermüdliche Aufklärungsarbeit, damit so etwas nicht wieder passiert.
Die Familie war Eigentümer des Kaufhauses Löwenthal (heute Peek & Cloppenburg) in Aschaffenburg.

Ruth Weiss war 1999 und 2002 als Zeitzeugin zu Besuch an unserer Schule.
Im Jahr 2005 wurde sie für den alternativen Friedensnobelpreis nominiert.
Ihre Lebensgeschichte brachte es mit sich, das sie in vielen Ländern lebte und arbeitete – jedoch nicht immer freiwillig. Wenn man es nun Aufenthalte nennen will – wo war sie dann eigentlich “Zuhause“?

 

LEBENSLAUF

26. Juli 1924
Als Ruth Löwenthal in Fürth geboren
1927 - 1931  
Umzüge von Fürth nach Hamburg, dann nach Rückersdorf bei Nürnberg und zurück nach Fürth
1936
Flucht nach Johannesburg, wohin der Vater bereits 1933 emigriert war und ein Lebensmittelgeschäft betrieb
Bis 1940   
Besuch der Highschool
1941 -1943  
Angestellte in einem Rechtsanwaltsbüro
1944 - 1948 
Arbeit in der Buchhandlung ihres Mannes Hans Weiss
1948 - 1952 
Company Secretary (vergleichbar Prokuristin) in einem Versicherungsbüro
1952 
Umzug nach London; Arbeit im Verlag „Elek Books“
1954   
Rückkehr nach Südafrika; Erneute Tätigkeit im Versicherungsbüro  und Assistentin ihres Mannes als Korrespondentin für deutsche Medien
1960 - 1965 
Einstieg in den Journalismus als Business Editor beim „Newscheck“ in Johannesburg und bei der „Financial Mail“; in dieser Zeit lernt sie Nelson Mandela kennen
1966  
Geburt ihres Sohnes Alexander (Sascha)
1966 - 1968
Bürochefin der „Financial Mail“ in Salisbury im damaligen Südrhodesien (heute Zim-babwe); Ruth Weiss erhält Einreiseverbot nach Südafrika, wird zur „Persona non grata“ erklärt und auf die „schwarze Liste“ gesetzt
Ende der 60er Wieder in London: Arbeit für den „Guardian“ und den „Investors Chronicle“

  

Ab 1971 
  In Sambia: Business Editor bei „Times of Zambia“ und dortige Korrespondentin der “Financial Times”; Ausbildung von Journalisten; Interview mit Willy Brandt
1975 
Begleitung von Außenminister Genscher auf seiner Afrikareise
1975 - 1978 
Umzug nach Köln; Chefin vom Dienst der Afrika-Redaktion der Deutschen Welle
1978 - 1982 
Freiberuflerin in London und Gründung der Journalistengruppe „Link-up“;
1980
begleitet sie die Unabhängigkeit Zimbabwes und organisiert das erste Medienseminar für das dortige Informationsministerium
1982 
Reise mit Euro-Parlamentariern nach Angola; Umzug nach Harare (Zimbabwe); Arbeit für „Zimbabwe Mass Media Trust“ (wichtige Pressegruppe des Landes)        und Ausbilderin für Wirtschaftsjournalisten am Poly-technikum
Ab 1983
Freie Journalistin; Gründung und Aufbau des „Southern African Economist“; Arbeit an verschiedenen Büchern und Filmen; Vortragsreisen über die Situation   im südlichen Afrika
1989   
Aufbau eines neuen Forschungszentrums „Zimbabwe Institute for Southern Africa“   für den „Cold Comfort Farm Trust“ in Zimbabwe
1990    
   Erstmaliger Besuch Johannesburgs nach der Ver-treibung im Jahr 1966; Nelson Mandela wird Präsident; Löschung ihres Eintrags auf der „schwarzen Liste“
1992 
Umzug nach England auf die Isle of Wight; Arbeit als Schriftstellerin
1994  
Autobiographie „Wege im harten Gras“
1999  
Internationale Anerkennung ihres Kinder- und Jugendbuches „Sascha und die neun alten Männer“ auf der Liste der 13 besten Jugend-bücher für den Katholischen Jugendbuchpreis
2002
Umzug nach Deutschland ins Münsterland
2002 
„Meine Schwester Sara“ als Plädoyer gegen den Rassismus; wird seit 2004 oft als Prü- fungslektüre verwendet
2005 
Nominierung für den alternativen Friedensnobelpreis
2007 
Geburt ihres Enkelkindes
Ende 2009 
Reise nach Sambia und Südafrika; Nimmt auf Einladung der Naumann-Stiftung am Sympo-sium für ZamCom über Medien teil; Spricht am Goethe-Institut Johannesburg zum Thema: „Cracking walls – 20 Jahre Mauerfall in Deutschland“;      
Trifft dort auch wieder Denis Goldberg
Februar 2010 
Erneute Afrikareise; im Auftrag des Weltfrie-densdienstes führt und dokumentiert Ruth  Weiss 15 Interviews als “follow up“ eines u.a. von ihr  1987-90 in Zimbabwe durchgeführten
geheimen Anti-Apartheidsprojekts
August 2010
Namensgeberin für die Staatliche Realschule für Mädchen in Aschaffenburg

  
    

   

Ich hoffe, dass die jungen Frauen, die diese Ruth-Weiss-Realschule besuchen,
etwas mit dem neuen Namen ihrer Schule verbinden, das mir sehr am Herzen liegt
und mein Leben stets begleitet hat:
Nicht aufgeben, auch nach schlimmen Rückschlägen wieder aufstehen,
nicht zurückblicken, weitermachen und guten Mutes bleiben.
Man darf nicht auf die Vergangenheit blicken und nach der guten alten Zeit seufzen.
Das bedeutet nicht, dass man alles vergessen soll, was einmal war,
doch man muss mit dem Schlimmen fertig werden
– auch Abbitte tun, wenn das erforderlich ist – aber es nicht als
Last in die Gegenwart mitnehmen. Auf dem Guten, das einmal war,
kann und soll man Neues aufbauen.
Nicht verzagen! Darum bitte ich.